Unterbarmen - Nabel von Wuppertal
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Autor Thema: Scheiß-Arbeit ... (28-9-2004)  (Gelesen 980 mal)
Morse
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Beiträge: 65


« am: 15. Dezember 2012, 02:26:49 »

Anfang 1972 wurden mit viel amtlichem Tamtam am Loh die Fußgängertunnel neu eröffnet, mit sogar unten drin einem kleinen Kiosk an der Ecke zum Aufgang zur Sparkasse. Auf dem großen Eröffnungsfoto im damaligen General-Anzeiger ist Brüderchen Michael, neun Jahre, zu sehen mit einem seiner Freunde; direkt an dem Band, das durchschnitten werden sollte. Das Zuschaueraufkommen war groß. Ich selbst hatte zu meinem Ärgernis nicht dabei sein können, ich hatte Unterricht in der MTA-Schule.

Außerdem bekamen die beiden Straßenbahninseln nun auch schöne hellgraue Wartehäuschen mit Plexiglas an allen drei Seiten, sodaß man vor Wind und Wetter geschützt war und doch überallhin Aussicht hatte. Ein großer Luxus: Bis dahin hatten wir im bekannten Wuppertaler Regen immer mit dem Schirm auf die Straßenbahn warten müssen.

Die großen Scheiben der Wartehäuschen verschmutzten langsam aber sicher. Vor allem nach dem Winter mit den in der Nässe vorbeirasenden Autos und LKWs konnte man kaum noch durch die Scheiben gucken. Die Stadtwerke zogen sich nichts davon an. Brüderchen zeichnete zum Spaß manchmal mit dem Finger etwas in die Drecksschicht.

Herbst 1973, an einem Samstag mit strahlendem Sonnenschein, hatte Brüderchen plötzlich die Idee: Mit einem Freund, der bei ihm auf Besuch war, würden sie die Wartehäuschen am Loh saubermachen!
Zu dritt zogen wir los, ausgerüstet mit Leiter, Aufnehmern, Wasser in den Eimern und dem Fotoapparat, ich wollte diese Aktion fotografieren.

Ruckzuck war das Wasser in den Eimern so dreckig, daß ein großer Teil des Straßenschmutzes auf den Scheiben nur noch hin- und hergeputzt wurde. Jedoch die Mitarbeiter in dem kleinen jugoslawischen Schnellrestaurant gegenüber, neben dem Haus von Schreibwarengeschäft Ködding und Fahrschule Gensch, erlaubten ihnen, bei ihnen im Restaurant soviel frisches Wasser zu holen wie sie brauchten!

Es war eine Scheiß-Arbeit! Doch sie lohnte sich, obwohl die Scheiben nicht ganz blitzblank wurden. Man konnte aber wieder richtig durchgucken!

Die beiden schwitzenden neun- und zehnjährigen Jungen fielen schon bald auf mit ihrer Aktion bei den Bewohnern der vielen Mietshäuser in der Nachbarschaft.
Auf einmal wurde in einem Haus hoch über ihnen ein Fenster geöffnet und kamen zwei Tüten mit Süßigkeiten heruntergesegelt.
„Das ist für euch”, wurde hinterhergerufen. “Es ist schon längst Zeit dafür gewesen!“

Danach, bis zu ihrem Abriß – die Straßenbahn auf der Talstrecke wurde 1987 stillgelegt – sind die Haltestellenhäuschen seitdem nicht ein einziges Mal saubergemacht worden von den Stadtwerken…..


(c) Monika Arnold

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